Entstehung des SielNet


Diesen Beitrag hat einer der Gründer und unser erstes Ehren-Mitglied Florian Brahmst irgendwann um 1998 verfasst.

1994/1995: In den vier Häusern des Sielkamp-Wohnheims entsteht das Verlangen, die Rechner untereinander zu verbinden. Was zunächst auch eine Folge der aufkommenden Multiuser Spiele war, entpuppte sich doch schnell als nützliches Werkzeug, Daten untereinander auszutauschen und einfach miteinander zu kommunizieren.

So entstanden in Haus 4 auf der dritten Etage und in Haus 3 über alle Etagen hinweg zwei getrennte Netzwerke auf 10Base2-Basis, d.h. mittels kostengünstigen Koaxialkabels ohne weitere aktive Netzwerkkomponenten als die jeweils in die teilnehmenden Rechner eingebauten Ethernetkarten.

In Haus 3 und auf Etage 4.3 existierte jeweils ein "Server", der zu damaliger Zeit aus einem 386-25 mit 5 MB RamAM bestand und vorwiegend aus ausgemusterten Altkomponenten zusammengebaut war. Als Netzwerkbetriebssystem kam Personal Netware von Novell zum Einsatz. Die Entscheidung fiel vor allem wegen des geringen Resourcenbedarfs unter DOS auf dieses System. Es stellte Arbeitsgruppen zur Verfügung, an die sich Netzwerkrechner anmelden und Dateien austauschen konnten. Nebenbei gab es einen sehr einfachen Messageservice. Das Betriebssystem der angeschlossenen Rechner war ausschließlich Windows 3.1 und DOS.

Der nächste Schritt im Sommer 1995 war die Umstellung auf Linux als Serverbetriebssystem und damit die erstmalige Verwendung von TCP/IP als Netzwerkprotokoll. Allerdings war dieser Schritt auch wieder nur aus Gründen der Neugier gemacht worden, jedoch gibt es unserer Meinung nach bis heute keine ernstzunehmende Alternative zu diesem System in unserem Netzwerk.

Ungefähr zeitlichgleich wurden auch das Netzwerk der Etage 4.3, das neu entstandene Netz der Etage 4.1 und das von Haus 3 über ein "Erdkabel" miteinander verbunden. Erdkabel meint allerdings nur zwei vergrabene Koaxialkabel in ca. 30cm Tiefe unter der Grasnabe, welche eigentlich nur für den Indoor-Bereich benutzt werden sollten (sie funktionieren aber heute noch genau so wie vor 3 Jahren). Möglich war diese Vernetzung nur durch einen 8-fach Repeater im Erdgeschoß von Haus 3, der je Port eine maximale Kabellänge von 185m zur Verfügung stellte und auch heute noch das Herzstück unseres Netzwerkes bildet. Dieses Gerät kam vom Schrottplatz eines Elektronik-Recyclers, denn es wurde gespart, wo es nur ging, da eigentlich noch keine ernsthafte Anwendung für ein Netzwerk bestand und dieses Projekt nur aus dem Computer-Interesse der angeschlossenen Bewohner entstanden ist.

Mit der Einführung von Windows für Workgroups und Windows95 kam auch die Einführung des Windows-Netzwerkes, das einfache Drucker und Dateifreigabe aller Rechner untereinander ohne große Probleme ermöglichte. Als Netzwerkprotokolle dienten immer noch TCP/IP und NETBEUI parallel auf einem Netzwerkstrang.

Im Frühjahr 1996 kam jeweils ein Kabelstrang zu Haus 2 und zu Haus 1 dazu, alles verkabelt nach dem Prinzip "provisorisch, schnell, sofort einsatzbereit". Die Verkabelung war insgesamt eher "frei fliegend", also mit Hilfe von Kabelschellen entlang der Flure individuell verlegt. Kam ein neuer Rechner dazu, wurde der Strang aufgetrennt und eine Schleife ins Zimmer geführt.

Zu diesem Zeitpunkt war das Netz auf rund 20 Teilnehmer aus allen vier Häusern angewachsen und der Wunsch von einer Internetanbindung wurde in die Tat umgesetzt. Das größte Problem stellte die Finanzierung dar. Da es eine permanente Anbindung werden sollte, kam nur eine analoge Standleitung mit zwei Modems (28.8 kBit/s) in Frage. Der Preis belief sich auf 900.-DM einmalige Anschlußgebühr und monatlich 100.-DM (ohne Mehrwertsteuer versteht sich). Dazu kamen zwei standleitungsfähige Modems für insgesamt 600.-DM und ein etwas schnellerer Rechner als Gateway zum Internet (selbstverständlich aus "Schrotteilen").

Zwölf Bewohner waren schriftlich dazu bereit, ein Jahr lang 20.-DM pro Monat zu bezahlen, um einen Kredit aus der Wohnheimkasse abzubezahlen, der die anfänglichen Kosten abdecken sollte. Die Internetanbindung wurde allgemein als Spielerei abgetan, so war selbst der Kredit nur durch eine günstige Zusammensetzung des entscheidenden Heimrats möglich. Dazu kam eine Spende von 100.-DM von unserem Heimleiter Pater Sylvester. Der Heimrat stimmte dem Kredit aus seiner Kasse zu, und dann konnte es losgehen.

Herr Woehlbier vom Rechenzentrum der TU braunschweig stand uns mit Rat und Tat zur Seite, für Ihn stellte die Anbindung unseres Wohnheims an das Uni-Netzwerk überhaupt kein Problem dar. Wir fanden dort wirklich volle Unterstützung.

Im März wurde die Standleitung von der Telekom geschaltet, die Modems aufgestellt und auf der einen Seite im Rechenzentrum, auf der anderen Seite an unserem 486-40 angeschlossen; die Anbindung klappte! Damit waren zahlende Teilnehmer rund um die Uhr ans Uni-Netz angeschlossen und konnten es mit all seinen Diensten vom Schreibtisch aus nutzen.

Unser Server war zugleich Web-, Mail- und Fileserver sowie Gateway und Router zum Internet. Das alles lief beinahe anstandslos nach einer anfänglich schwierigen Konfiguration auf einem 486-40 mit 8 MB RAM. Der Verkehr stieg an, der Server wurde auf 16MB und 486-133 aufgerüstet, es kam ein zweiter Strang für Haus 2 dazu, die Teilnehmerzahl stieg auf ca. 60 an.

Damit war einerseits die Kapazität der Standleitung (28.8 kBit/s) mehr als ausgereizt, andererseits die hausinterne Verkabelung so fehleranfällig geworden, daß die Netzbetreuung schnell zum Fulltime-Job geworden ist. Herr Woehlbier vom RZ brachte uns auf Tests mit HDSL Modems, die bis zu einer Datenrate von 768kBit/s sehr gut verliefen.



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